• Monika Böttrich

......Freiheit



Wir mögen Dänemark….

und Dänemark mag uns…

Wir sind das zweite Mal hier bei herrlichstem Wetter….

Dieses Jahr Ende Juni.

Letztes Jahr war es Ende August.

Der Campingplatz ist sehr ursprünglich, in den Dünen gelegen. Es gibt hier keine festen Stellplätze, jeder sucht sich eine Stelle aus, die in dem Moment frei ist und einem gut gefällt.

Ich glaube allein diese Tatsache gefällt mir schon besonders gut.


Keine Regeln…Freiheit.


Das sieht in Deutschland schon ganz anders aus. Schilder an jeder Strassenecke. Schilder in der Natur, die verbieten, die Natur zu betreten.

Schilder, die Kindern das Spielen verbieten.

Schilder, die einem genau vorschreiben, welcher Weg zu gehen ist.

Ich mag keine Vorschriften…fühle mich rebellisch, wenn ich mich in einem engen Gesellschaftskonstrukt bewegen muss.

Eingeengt in Mustern und Glaubenssätzen.

Das war nicht immer so…ich bin mitgeschwommen im Strom.

Es ist mir zu diesen Zeiten auch nicht aufgefallen, dass ich angepasst war an die Erwartungen der Gesellschaft.

Vielleicht habe ich es auch nicht als Anpassung empfunden, weil die allgemeinen Erwartungen auch meine eigenen Erwartungen waren?

Fakt ist jedoch, dass ich irgendwann rausfiel aus diesem allgemeinen Bild.


......Ich sehe mich selbst in einem gemalten wunderschönem Bild .


Das Bild zeigt eine Landschaft in den schönsten Farben, eine kleine Stadt mit Menschen, die in Strassencafés sitzen, Wein trinkend, fröhlich lachend, jedoch mit ausdruckslosen Augen, die aneinander vorbeischauen.

Ich sitze mit in diesem Café.


Das Bild wird lebendig….


Ich stehe wortlos von meinem Stuhl auf und verlasse die Szene. Gehe einen Weg entlang, der erst mit einem Pinselstrich langsam unter meinen Füßen entsteht.

Am Wegrand erscheinen bei jedem Schritt Blumen mit feinem Pinsel gemalt. Klatschmohn, Heckenrosen, Holunderbüsche, Lavendel. Der Duft der Rosen und des Lavendels strömt leise in meine Nase.


Tiefe Atemzüge lassen mich die Freiheit inhalieren.


Ich folge diesem Weg wie magisch angezogen und schaue nicht zurück.

Der Rand des Bildes ist erreicht…ein schön geschwungener goldener Rahmen mit Verzierungen versehen, die bei näherem Betrachten wie eine Dornenhecke aussehen.

An einer Stelle hat dieser Rahmen einen feinen Riss, kaum erkennbar von außen, aber aus der Perspektive des Bildes, da wo ich mich befinde, deutlich erkennbar.

Mutig, mit festem Schritt gehe ich weiter durch den kleinen Spalt….

und falle aus dem Rahmen…


Freier Fall…


…der langsam in ein Fliegen übergeht, ich sehe mich als Eagle fliegen, der nun das Bild mit Abstand von oben betrachtet, seine Kreise zufrieden zieht.

Die Köpfe der Menschen in der Kleinstadt recken sich für einen kleinen Moment fasziniert nach oben, als sie die fröhlichen Laute des Adlers über sich hören. Aber als neue Gläser mit Wein gebracht werden, sind sie wieder abgelenkt und richten ihre Aufmerksamkeit wieder ihren langweiligen Gesprächen zu.


Der Adler jedoch fliegt…und genießt seine Freiheit.


Er macht sich auf den Weg ins Unbekannte, in neue Welten, neugierig aufgeregt, aber voller Vertrauen, denn er wird getragen von einer unsichtbaren Kraft, die ihn fliegen lässt.

Weit am Horizont, der goldene Rahmen ist noch schemenhaft zu erkennen, erblickt er weitere Mitreisende, die sich zu einem großen Schwarm zusammengefunden haben und auf ihn und noch andere warten.


Die Reise beginnt….

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